Historie von Matchbox


Zur Geschichte der Matchboxmodelle in der frühen "Regular wheels"-Phase

Leslie G. Smith und Rodney Smith waren sehr gute Schulfreunde . Selbst im zweiten Weltkrieg haben die beiden zusammen in der Königlichen Marine gedient. Im Jahre 1947 gründeten sie die "Lesney Products". Lediglich 600 £ dienten den beiden als Startkapital! Für das Geld kauften sie die "Rifleman" Taverne in Edmonton und einige Zinkdruckguss-Maschinen. In den Anfangsjahren ( 1947-1948 ) wurden etwas größere Fahrzeugmodelle produziert (Barford Road Roller, Caterpillar Bulldozer und andere). Denen folgten dann Blechspielzeuge (Jumbo the Elephant, Muffin the Mule zwischen 1949 und 1950, sowie die Zubehörteile für Angler : Brotpressen (Bread Bait Press), Angelschnur-Trenner und andere ab 1954. Jack Odell, der etwas später zu Lesney stieß, hatte eine kleine Tochter. Für die hat er im Jahre 1952 ein so kleines Fahrzeugmodell einer Dampfwalze gefertigt, dass es in eine Streichholzschachtel passte. Damals galt eine Regel, wie groß die Spielsachen sein sollten, die Kinder mit zur Schule bringen durften. Somit hat Jack seiner Tochter einen Traum erfüllt und das kleine Mädchen glücklich gemacht. Das war der Anfang einer großartigen Idee, solch kleine Modelle zu bauen, die in Matchbox-Schachteln passen würden. Nach der Patentierung der Idee und den Vorbereitungen in 1952 erschienen 1953/1954 die ersten Matchbox-Modelle in der berühmten "Streichholzschachtel". Nr. 1 Road Roller war somit das erste Modell überhaupt, gefolgt von (2) Site Dumper, (3) Cement Mixer, (4) Massey Harris Tractor, (5) London Bus, (6) Quarry Truck und (7) Horse Drawn Milk Float. Dieser Milk Float ist auch bis heute der einzige Pferdewagen in der Matchbox (1 - 75) Serie.

Die ersten Schachteln hatte den Schriftzug "A Moko Lesney Product", wobei "Moko" kursiv geschrieben war. Dieses Wort auf den ersten Boxen stammt von Moses Kohnstam aus Nürnberg, der im Jahr 1900 nach England kam, um die Spielzeugindustrie weiter zu entwickeln . Er spezialisierte sich auf Finanzierung, Logistik, Lagerung und Verpackung. Die Idee mit der Streichholzschachtel war dem MOKO Boss nicht fremd, denn schon in Deutschland versuchte man, kleine Spielzeugsachen in solchen kleinen Verpackungen anzubieten . Das Design der Verpackung basierte auf einer echten Streichholzschachtel der tschechischen Firma "Norvic Matches". Modelle in diesen Schachteln (A-Box) sind heute sehr begehrt. 1956 wurde die Yesteryear-Modellreihe vorgestellt. Diese Modelle waren etwas größer und detailgetreuer und stellten alte Lastwagen, Busse, dampfbetriebene Autos und auch Lokomotiven dar. Diese Modellreihe war von Anfang an sehr erfolgreich und ist bis heute erhalten geblieben. Über Direktvertrieb (vorwiegend "Matchbox Collectibles") kann man immer noch die "Modells of Yesteryear" erwerben.

1957 kamen die Major Packs heraus - als Ergänzung zur Serie 1-75. Die Modelle waren im (geringfügig) größeren Maßstab. Man konnte so Modelle wie Autotransporter, Tieflader und lange Containerzüge anbieten. 1958 änderten sich Farbe und Material der Räder. Aus Metall wurde schwarzes, graues und silbernes Plastik. Dies war zum einen herstellungsbedingt, andererseits rollten die Räder besser. Radvarianten brachten bei Regular Wheels Modellen einige Raritäten hervor. Beispiele sind hier Nr. 15B Atlantic Prime Mover (1959), 24C Petrol Tanker (1964) und 28C Mk. 10 Jaguar - mit grauen Plastikrädern sind sie extrem selten. 1959 wurde mit dem Ford Thunderbird erstmalig die Nummer 75 erreicht. Da Matchbox-Produkte bei Händlern bereits eine große Ausstellungsfläche benötigten, entschloss man sich, mit dieser Nummer aufzuhören. Alte oder nicht so gefragte Modelle wurden durch neue Modelle oder Varianten ersetzt.

1960 kamen die ersten King-Size Modelle auf den Markt. Diese Serie ersetzte die Major Packs. Bis 1966 gab es jedoch beide Serien parallel. Die King-Size Modelle waren in einem deutlich größerem Maßstab. Zunächst gab es Baufahrzeuge, landwirtschaftliche Fahrzeuge und Servicefahrzeuge (Feuerwehr, Abschleppwagen usw.), ab Ende der 60er dann auch Personenkraftwagen. In diesem Jahr konnte Lesney zu einer Aktiengesellschaft mit vier Millionen Pfund Kapital umgewandelt werden.

Erst später - im Jahr 1962 - verzichtete man bei den Boxen auf das klassische Streichholzschachtel-Design. 1963 erschienen erstmalig Modelle mit funktionierenden Türen (Nr. 53B Mercedes-Benz 220 SE). Man konnte schon an den Pappschachteln erkennen, dass etwas zu öffnen war. Manchmal war es anstatt der Türen auch die Motorhaube bzw. der Kofferraum. Diese "Erhöhung des Spielspaßes" gab es bis in die 90er. Bei den neusten Modellen wurde auf diese Mechanismen verzichtet.

1967 gab es erstmalig Matchbox-Modelle mit beweglicher Lenkung. Der Ford Mustang hatte als erstes Modell diese Steuerung. Sie war zunächst noch über einen Hebel an der Seite zu betätigen. Weiterhin wird erwähnt, dass in diesem Jahr die Matchbox-Version des Ford Mustangs die Produktion des realen Autos überholt hat. Einige der nächsten Modelle enthielten ab 1969 die sogenannte "Auto Steering", also eine automatische Lenkung ohne Hebel.

 

Zur Geschichte von Matchbox in der Phase der Superfast-Modelle

Die "Regular wheels" - Modelle wurden bis 1968 hergestellt. Dann 1969 wahr wohl auch das Jahr mit den größten Veränderungen für Lesney. Durch Mattels beispiellose Werbekampagne für die neuen "Hot Wheels" kam es bei Lesney zu Absatzschwierigkeiten. Lesney reagierte, und so gab es in der 2. Hälfte 1969 die ersten Superfast-Modelle, wie den Iso Grifo, Lotus Europa oder BMC 1800 Pininfarina. Im Katalog 1969 (Second Edition) taucht erstmalig der Begriff "Superfast" auf. "Superfast" stand für dünne Achsen und neue Räder und - vor allem - für mehr Spielspaß durch schnellere Autos.

Bis 1970 wurde nahezu alle Modelle auf die Superfast-Räder umgestellt (Auch King-Size Modelle - aus ihnen wurden die Super Kings). In dieser Zeit entstanden auch einige sehr seltene Modelle. Ein Beispiel: Der Land Rover Safari (Regular Wheels) ist blau, und das neue Superfast-Modell ist goldfarben. Für ein Regular Wheels-Modell in goldfarben bzw. ein Superfast-Modell in blau werden heute vierstellige Summen bezahlt. Natürlich gibt es nicht für jedes Modell solche Raritäten, aber auch "normale" Modelle haben ihren Preis (z.B. Nr. 29 Fire Pumper - schnell abgelöst durch den Racing Mini oder Nr. 57 Land Rover Fire Truck - taucht im 1970er Matchbox-Katalog schon gar nicht mehr auf!).

Ab 1971 ging es dann los mit Rennstrecken aller Art. Im 1971er Katalog wurde mit 16 Seiten auf dieses Zubehör aufmerksam gemacht. Es gab Rennstecken mit Loopings, Sprung durch Feuerreifen, Sprungbrücken, Beschleuniger, Straßenweichen, Rundenzähler usw. Die Teile besaßen gewisse Eigenschaften, die jetzt auch auf den Schachteln der Matchbox-Autos zu finden waren. So konnte man genau erkennen, ob ein Modell für Handbeschleuniger oder Superbeschleuniger geeignet war.

1973 kamen die Rola-Matics auf den Markt. Es waren auch Superfast-Modelle, aber sie besaßen modifizierte Räder, die auf ein Getriebe wirkten, das verschiedene bewegliche Teile in Bewegung setzten. Beispiele hierfür sind Radarantennen, drehende Personen oder Motorteile. Rola-Matics stand auch auf der Bodenplatte und der Pappschachtel. Die Nr. 10 Piston Popper gab es anfangs auch mit "Superfast" auf der Bodenplatte. In dieser Ausführung ist dieses Modell schwer zu bekommen. Ebenfalls 1973 erschien die Skybuster-Serie. Nachdem jahrelang fast ausschließlich Autos angeboten wurden, kamen nun erstmalig Flugzeuge von Matchbox in die Regale. Es gab u.a. Militärflugzeuge, Passagiermaschienen und auch ein Space Shuttle. Von der Größe waren sie nur unwesentlich größer als Superfast-Modelle, was wiederum ein deutliches Beispiel für das "nicht maßstabsgerechte" Angebot von Matchbox ist.

1975 gab es wieder Modifikationen bei einigen Superfast-Modellen. Eine neue Druckmethode (engl. tempa) wurde angewandt. Die Modelle wurden nun mittels eines mit Farbe getränkten Gummikissens direkt bedruckt. Die Modellreihe bekam den Namen "The Streakers". Modelle aus den frühen 70ern bekamen so ein völlig neues Design. Auch die Schachteln (jetzt K-Boxen) wurden mit dem "Streakers"-Schriftzug versehen. 1976 wurde eine weitere Serie herausgebracht: Die "Sea Kings" stellten große Schiffe dar, z.B. Kriegsschiffe, Flugzeugträger und auch ein U-Boot. Diese Serie war allerdings wenig erfolgreich und wurde 1978 wieder eingestellt. Die Modelle sind in ihrer Originalverpackung heute relativ schwer zu bekommen.

Ebenfalls 1976 erschienen die ersten Matchbox "Two Packs" im Programm. Diese bestanden jeweils aus 2 Fahrzeugen, oft natürlich 1 Fahrzeug und 1 Anhänger. Meistens handelte es sich bei den Modellen um Neuauflagen aus den frühen 70ern mit neuer Farbgebung, bei denen die Nummer auf der Bodenplatte entfernt wurde. 1978 wurde mit einer Vision auf das Jahr 2000 aufmerksam gemacht: "Das Jahr 2000 bedeutet Abenteuer. Die Planeten bereiten sich auf einen Kampf vor." So warb man damals für diese Action-Fahrzeuge in Super Kings Größe - die Adventure 2000 Serie. Es gab zunächst 5 Modelle (avacado / olivgrün). 1979 gab es noch eine Großpackung mit 3 Superfast-Modellen. Ein Jahr später folgte noch das letzte Modell "Shuttle Launcher" in blaumetallic. Dieses Modell ist heute sehr schwer zu bekommen. Betrachtet man sich den 1980er Katalog genauer, so erkannt man, dass der "Shuttle Launcher" nicht abgebildet ist, dafür aber alle anderen Modelle in blaumetallic. In dieser Farbe sind diese Modelle jedoch nie erschienen.

1979 tauchte die Disney-Serie auf dem Markt auf (zunächst 9 Modelle). Bekannte Figuren wie Donald Duck oder Micky Maus saßen in verschiedenen Fahrzeugen. Diese Serie war ausschließlich für Kinder bestimmt. 1980 erschienen noch 3 weitere Modelle, dann wurde die Serie eingestellt. Diese insgesamt 12 Modelle sind für Sammler besonders attraktiv. Durch die übermäßige Verwendung als Spielzeug existieren heute kaum noch perfekt erhaltene Exemplare. Die Modelle erschienen außerdem nur in Blisterpackungen und sind außerdem auch für Disney-Sammler interessant. Das seltenste Modell dieser Serie ist WD 3 Goofy im Käfer mit Ohren, die nicht am Körper enden ("flying ears"). Da dies ein Sicherheitsrisiko für Kinder darstellte, sind die Formen für die Modelle umgearbeitet worden.

In diesem Jahr wurde die "Two Pack" Serie in "900 Range" umbenannt. Es erschienen jetzt auch Packungen mit exklusiven Anhängern, wie z.B. der Glider-Transporter (mit Segelflugzeug), der Cattle-Trailer und der Tanker Trailer. Ebenfalls neu und unter dieser Bezeichnung kamen die ersten Sattelschlepper-LKW auf den Markt. Die Zugmaschinen waren ungefähr so groß wie die normalen Modelle, jedoch mit Trailer waren sie ca. 16 cm lang. So gab es jetzt u.a. einen langen Tankwagen, einen Container Truck und auch einen Bootstransporter.

1979 produzierte die Lesney Products Corporation zwischen fünf und sechs Millionen Spielzeuge pro Woche, verlagerte aber aus Kostengründen die Produktion zum Teil nach Macau, was einen qualitativen Abstieg der Modellfahrzeuge mit sich brachte. 1980 sprengte die Ausgabe von 4 Modellen auf dem australischen Markt erstmals die "magische" Grenze von 75. Die Modelle (76 Mazda RX7; 77 Toyota Celica; 78 Datsun 280ZX; 79 Mitsubishi Galant) erschienen schon ein bis zwei Jahre zuvor als japanische Ausgaben. Ein Jahr später - 1981 - erschienen die japanischen Modelle auch in den USA. Die Modelle wiesen eine weitere Besonderheit auf: sie wurden alle in Hong Kong hergestellt, was für Superfast-Modelle wohl eher die Ausnahme bleiben sollte. Auch weitere Modelle aus den 70ern wurden neu aufgelegt. Sie erhielten neue Namen, teilweise neue Nummern und auch exklusive Pappschachteln. Beispiele hierfür sind 74 Orange Peel (ehemals 70 Dodge Dragster) oder 72 Maxi Taxi (ehemals 67 Hot Rocker). Egal ob japanische, australische oder amerikanische Ausgabe, die Modelle sind heute relativ schwer zu finden.

1982 war wohl das Jahr mit den größten Einschnitten in der Matchbox-Geschichte. Das traditionsreiche Unternehmen Lesney musste Konkurs anmelden. Der Name Matchbox blieb aber erhalten. Lesney verkaufte das "Matchbox"-Label für symbolische 16,5 Millionen Pfund an den Chinesen David Yeh von der Universal Holding Company nach Hong Kong. Unter Universal wurden die Matchbox-Modelle zunächst in Macau und später dann in Thailand und China produziert. Im selben Jahr erschien noch die Convoy-Serie. Die ersten Modelle sind also noch "Lesney - Made in England". Der Katalog von 1982 zeigte einige Trucks auf dem Titelbild. Die Convoy-Serie ist für die Sattelschlepper die Nachfolgeserie der Two Packs, d.h. es gab jetzt 2 Serien. Auch die 1982 neu erschienenen Superfast-Modelle sind "Made in England" und heute begehrte Sammlerstücke. Beispiele sind 26 Cable Truck, 35 Zoo Truck, 42 1957 Ford Thunderbird, 51 Pontiac Firebird, 54 NASA Tracking Vehicle, 61 Peterbilt Wreck Truck, 66 Tyrone Malone Super Boss. Auch neue Designs bei Modellen sind heute gefragte Objekte. Bei Nr. 6 Mercedes-Benz 350 wurde 1982 noch einmal eine Variante in blau ohne Dach herausgebracht. Auch die Box zeigt diese Variante.

 

Zur Geschichte der Matchboxmodelle in der späten "Post Lesney"-Phase

1983 / 1984 kamen viele Kleinserien auf den Markt. Die Lock-Ups waren modifizierte Superfast-Modelle, die man mit einem (vergleichsweise riesigen) Schlüssel auf- und abschließen konnte. Eine ähnliche Serie waren die Burnin' Key Cars. Sie hatten ebenfalls einen Schlüssel. Dieser diente allerdings dazu, das Auto zu beschleunigen. Diese Serie gab es lediglich 2 Jahre. Die Specials waren Renn- und Rallye-Autos in Größe der Super Kings. Es gab hier zunächst 6 Fahrzeuge. Mitte der 80er Jahre wurde das Sammeln von Matchbox-Modellen zu einem Hobby für Groß und Klein. Charlie Mack, Leiter des Matchbox & Lesney Museum und Vorsitzender des Matchbox Fanclub in den USA, hat in seinem Museum in Durham, Conneticut, rund 18.000 Exponate der Marke Matchbox in seiner Ausstellung.

1985 wurde noch mehr auf die Convoy-Serie eingegangen. Neue Modelle und Zugmaschinen wurden vorgestellt, wie z.B. CY-15 Peterbilt Tracking Vehicle und CY-17 Scania Petrol Tanker. Ebenfalls neu waren die Convoy Action Packs, die neben einem Convoy-Modell noch 2 oder 3 Superfast-Modelle enthielten. Diese Modelle hatten auch ein exklusives Design. Es gab zunächst das Fire Rescue Set, das Police Set und das Construction Set. Mit den Team Convoy erschien dann noch ein Set mit einem Rennwagen-Team, welches aus einem modifiziertem Kenworth-Autotransporter, einem Rennwagen und einem Servicewagen bestand. 1986 gab es nur wenig Veränderungen. Zu erwähnen wäre eine Neuerung bei einigen SuperKings Modellen. Sie wurden jetzt mit einer beweglichen Lenkung ausgestattet. Ebenfalls neu waren die Super-Trucks - Fahrzeuge mit Monsterreifen.

1987 erschienen die Superfast Lasers. Es handelte sich hierbei um modifizierte Superfast-Fahrzeuge, deren Räder keine normale Felgen hatte, sondern glänzende Scheiben (ähnlich CDs), wo das Lichtspektrum reflektiert wurde. 1988 kamen für die Superfast Lasers auch Zubehörteile wie das Race Set und der Laser Jet Launcher auf den Markt.

1992 veräußerte David Yeh "Universal Matchbox" an den amerikanischen Spielzeugkonzern "Tyco Toys, Inc.", der wiederum 1997 in den Besitz von MATTEL überging. Im MATTEL Konzern bildet die Marke "Matchbox" ein Standbein des Wheels-Programmes zusammen mit den Hot Wheels Modellen und Tyco R/C Fernlenkmodellen.